Die Wochenschau

Die Maasholmer Hafentage

"Zehn Teams sind zum Trekken angemeldet"

05. Juli: 

Nach Maasholm zum Tag der offenen Türen schon recht viele Besucher begrüßen konnte, geht es nun in der Gemeinde in Sachen Veranstaltungen im 14-tägigen Rhythmus weiter. Das nächste Highlight im Veranstaltungskalender sind die 11. Maasholmer Hafentage.

Das maritime Umfeld mit der einzigartigen Kulisse des Hafens und der Schlei, haben diese Veranstaltung zu einem echten Besuchermagneten gemacht. Der Touristik-Ausschuss hat für die Hafentage, wie auch für die weiteren Veranstaltungen in diesem Jahr, wieder kräftig die Werbetrommel gerührt. Maasholm feiert 2015, so lautet das Motto auf 20.000 Veranstaltungsflyern und auf den Plakaten. 

Die Vorbereitungen bei den Organisatoren der Hafentage  laufen bereits seit Wochen auf Hochtouren, so dass auch in diesem Jahr wieder ein attraktives Programm geboten wird.

Die Hafentage beginnen am Freitag,  10. Juli, um 18 Uhr und enden am Sonntag, 12. Juli, gegen 14 Uhr.

Das absolute Highlight der Maasholmer Hafentage  wird auch in diesem Jahr wieder das Kuttertrekken am Sonnabend, um 14 Uhr sein. Mit dem Kuttertrekken haben die Maasholmer einen einzigartigen maritimen Wettbewerb kreiert. Unter Insidern und Teilnehmern nennt man das Kuttertrekken, den „härtesten maritimen Wettbewerb des Nordens“.

Etwas Vergleichbares gibt es weder an der Nord- noch an der gesamten Ostseeküste.

Drei Tage tolles Programm

Dass das Maasholmer Kuttertrekken nicht nur über die Grenzen von Angeln und Schwansen hinaus bekannt, sondern auch ein einzigartiger Wettkampf ist, zeigt sich an  der Tatsache, dass sich wieder mindestens 10 Mannschaften für das Kuttertrekken 2015 angemeldet haben.

Die Titelverteidiger des Vorjahres das Team „De Monarchen ut Angeln“ mit einer Siegerzeit von 4 Minuten und 6,4 Sekunden sind ebenso am Start, wie die doch deutlich geschlagenen  Zweitplatzierten die „Deichkicker“ (4:31,0 Min:Sek) und die Drittplatzierten „Die Ouzo Brothers aus Eggebek. Ganz neu im Starterfeld ist das 4 Fun Fitness-team aus Kappeln, die Sieger des Loktrekkens bei den Kappelner Heringstagen. Sicherlich sind die starken Jungs mit zu den Favoriten zu zählen. Auch die sehr starken „Maasholmer Fischer“, planen an den Start zu gehen. Mit dem Team der „Junge Leute Gilde“ aus Maasholm, den Ouzo-Brothers II“ aus Eggebek, den Freiwilligen Feuerwehren aus Rabel und Süderbrarup sind weitere fitte Jungs am Start. Denn fit und durchtrainiert sollte man sein, wenn man den „Härtesten maritimen Wettbewerb des Nordens“ überstehen will. Dass es auch gut trainierte Damen gibt, wird auch in diesem Jahr das Team Lady Fit beweisen, denn im letzten Jahr konnten die sportlichen Damen mit einer Zeit von 5 Minuten und 11,2 Sekunden erstmals eine Herrenmannschaft deutlich hinter sich lassen.

Auf die Besucher wartet an allen drei Tagen ein attraktives Programm mit „zivilen“ Preisen für die ganze Familie. „Darauf legen wir großen Wert“, so Udo Hänelt von der Freiwilligen Feuerwehr Maasholm. Denn Spaß und gute Laune müssen erschwinglich sein“.

Los gehts am Freitag, ab 19 Uhr mit der  Show und Stimmungsband „Die Doppelzentner“ aus Rendsburg mit toller Tanz- und Partymusik.

Am Sonnabend geht der Festbetrieb ab 11 Uhr rund um den Hafen weiter.

Ab 14 Uhr wird dann der Shanty-Chor „Die Buddelschipper“ aus Heide für tolle musikalisch-maritime Stimmung bei Kaffee und Kuchen im Festzelt sorgen.

Für die Kinder gibt es von 14 bis 17 Uhr am Hafen eine Hüpfburg und Torwandschießen, veranstaltet vom Maasholmer-HSV-Fanclub die „Rauten-Wikinger“. Kinder bis 14 Jahre dürfen sich ohne Startgebühr an der Torwand versuchen. Den Reinerlös stiftet der HSV-Fanclub einer gemeinnützigen sozialen Einrichtung. Für jeden Torwandschützen gibt es einen HSV-Fanartikel und für die drei besten Schützen gibt es tolle Hauptpreise.

Nach der Auslosung der Startplätze startet dann um 14 Uhr das Kuttertrekken im Fischereihafen. Die Absicherung des Kuttertrekkens übernimmt der Rettungskreuzer „Nis Randers“ und bietet im Anschluß ein Open Ship. Natürlich nur dann, wenn die Rettungsmänner um Vormann Dirk Höper nicht im Einsatz sind.

Nach der Siegerehrung des Kuttertrekkens geht es dann ab 19 Uhr mit dem nächsten Highlight weiter: Die Cover Band „Hotline“ , eine Top-Band mit Tanzmusik, Top-Hits, Evergreens sorgt für Tanz und Party-Stimmung im Festzelt zum Nulltarif.

Am Sonntag lädt die Gemeinde dann ab 10 Uhr zum Hafengottesdienst ein. Auch hierzu wird die „Nis Randers“ wieder längsseits gehen, denn der Pastor wird die Schlussworte und den Segen von der Brücke des Rettungskreuzers sprechen.

Musikalisch umrahmt wird der Gottesdienst vom Schützenbläserkorps aus Kappeln.

Ein Frühschoppen mit Platzkonzert folgt im Anschluß an den Gottesdienst und ab 12 Uhr gibt es dann im Festzelt leckeren Spanferkelbraten.

Ab 14 Uhr klingen die 11. Maasholmer-Hafentage dann aus.

Harm Paulsen ist in seiner Freizeit gerne ein Wikinger

"Ich bin ein gut bewaffneter Pazifist"

05. Juli

Ich „baue immer noch Einbäume mit der Steinaxt – schneller als mancher Schlabberstudent.“ In Karohemd und Jeans, eine Brille auf der Nase, sitzt Harm Paulsen auf dem gemütlichen Sofa seiner Schleswiger Wohnung, dampfenden Kaffee in der Hand. „Doch“, sagt er, „Kaffeefahrt ist mir so fern wie der Saturn.“ Zwar verabschiedete er sich vor fünf Jahren von seinen Kollegen am Archäologischen Landesmuseum auf Schloss Gottorf in den Ruhestand und feierte im Oktober seinen 70. Geburtstag, doch „hier oben“, sagt er und tippt sich an den Kopf, „da bin ich noch 20“. Harm Paulsen ist wohl einer der bekanntesten Wikinger Deutschlands. Doch eigentlich ist er noch viel mehr: Steinzeitexperte, Grabungstechniker, Autor und Träger zahlreicher Auszeichnungen. Doch vor allem ist er eines: „Vorreiter der Experimentalarchäologie“. Der herkömmliche Archäologe gräbt in der Erde nach jahrtausendealten Objekten, birgt sie, bestimmt Alter, Herkunft, Material – und irgendwann verschwinden die Funde hinter verschlossener Tür im Magazin. Und genau hier kommt Harm Paulsen ins Spiel: „Ich will wissen, wie funktioniert das?“ Wie weit flogen Pfeile in der Steinzeit?  Kann man mit einer Steinaxt einen Einbaum bauen? Harm Paulsen probiert es einfach aus. Er baut Pfeile und Steinäxte nach – und ganze Einbäume. Alles unterzieht er einem Praxistest und so schipperte er schon mit dem selbstgebauten Einbaum über die Ostsee. Auf diese Weise gelangt er zu ganz neuen Erkenntnissen. „Früher dachte man, Prachtäxte konnten nur besonders gut ausgebildete Steinzeitmenschen herstellen. Aber mein Sohn konnte das mit zwölf. So haben wir eine Theorie widerlegt“, schwelgt er in Erinnerungen.

Eigentlich hat er Radarelektroniker gelernt, war bei der Marine. Doch ein Unfall passierte und das war für ihn der sprichwörtliche „Tritt in den Hintern“, um auszusteigen. „Jetzt machst du was anderes.“

Archäologie. Finanziell gesehen, gibt er unumwunden zu, hätte er mit anderen Berufen mehr verdienen können. Doch er ist kein materieller Mensch. „Ich lege keinen großen Wert auf Luxus“, betont er – nur einen möchte er nicht missen: Den Luxus, eine Kindheit gehabt zu haben wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn. Nicht am Mississippi, sondern in der Nähe von Lübeck, wo sein Opa ein Gut bewirtschaftete. Dort hat er sich mit anderen Jungen gebalgt und geprügelt, wieder Frieden geschlossen und Baumhäuser gebaut – je höher, desto besser. „Mit zwölf konnte ich schweißen“, erzählt er. Seitdem konnte er sich seine Schwerter selber schmieden.

Schon damals in Lübeck „war ich als Kind auffällig“, meint er. Mit zwölf war er auf Grabungen mit dabei. „Ich habe für die Ämter schon als Kind alles angeschleppt, was ich auf den Äckern finden konnte“. Er hat sogar eine Steinzeitsiedlung ausgegraben – und seine Funde bis ins kleinste Detail festgehalten – mit dem Bleistift auf Papier. Mit 13 Jahren „konnte ich zeichnen wie ein Profi“, sagt er. Und zieht gleich den Beweis unter einem Bücherstapel hervor: ein altes Album, aus Schulheften zusammengebunden. Neben der außergewöhnlich feinen Handschrift eines Schülers sind die detailgetrauen Zeichnungen von Steinzeitwerkzeugen zu sehen. Sie füllen Seite um Seite, sind Ausdruck einer frühen Leidenschaft.

Diese Leidenschaft sprudelt aus ihm heraus wie ein Wasserfall aus Worten – und so wurde und wird sie gefüttert: mit dem geschriebenen Worten unendlich vieler Bücher, die Harm Paulsen in den letzten Jahrzehnten gelesen hat. In der Schule habe der Geschichtslehrer geradezu Angst vor seinem angelesenen Wissen gehabt, schwelgt er in Erinnerungen.  „Dann hat er immer gefragt: ‚Ist der Professor anderer Meinung?‘ Nein, Professor ist Harm Paulsen nie geworden, hat nicht mal studiert. Dabei hat er Abitur gemacht. Doch wie sagte seine Großmutter immer: „Was nützt dir dein Titel, wenn du keine Lebensmittel hast?“ „Wir brauchen nicht nur Master, sondern auch Meister“, übersetzt er es heute. Nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer. Denn nicht nur Wikinger interessieren ihn, sondern auch die Ureinwohner Amerikas.

Schon als Kind jagte er mit Holzgewehr und Bogen über den Gutshof und hat Indianer gespielt. Schnell waren ihm Karl-May-Bücher nicht mehr genug. „Gibt es so edle Menschen überhaupt?“ fragt er. Bei Winnetou konnte er sich nicht vorstellen, „dass der ganz normal auf Klo geht“. Daher beschloss er „richtige“ Bücher über Indianer zu lesen. In einem Fachbuch entdeckte er das alte Foto eines Indianers, der an einer Pfeilspitze arbeitete. Er guckte sich die Haltung ab, imitierte sie. Danach entstand seine erste indianische Pfeilspitze. Da war er vielleicht zwölf.

Dank seines umfangreichen Wissens und der praktischen Erfahrung hatte er nach seinem Unfall Glück im Unglück: Schloss Gottorf in Schleswig wollte ihn damals einstellen – „ich war ja auch noch umsonst, denn mich hat noch die Marine versorgt“. Mittlerweile lebt er seit 40 Jahren an der Schlei, fühlt sich wohl. Allerdings war die neue Arbeitsstelle eine große Herausforderung: Einen Teil der Fachwelt „hatte ich gegen mich“. Immer wieder hätten Archäologen diverser Universitäten betont, sie seien Geisteswissenschaftler, „keine Handwerker“. Gar eine „Flucht ins Manuelle“ warfen sie ihm vor. Seine Antwort? Schlicht entwaffnend: „Wollen wir wetten, dass alles, was wir finden, manuell entstanden ist?“ Zudem echauffierte sich so mancher über den Quereinsteiger ohne akademischen Hintergrund. Paulsen habe ja nicht promoviert, hieß es dann. Doch er wusste, die Zeit war auf seiner Seite: „Ich war damals verdammt jung, die Professoren älter – die habe ich biologisch überlebt.“ Und da er viel mit Studenten zusammenarbeitete, die begeistert von seiner Expertise waren, formte er die nächste Professorengeneration gleich mit. Heute ist die Experimentalarchäologie als eigener wissenschaftlicher Zweig etabliert. „Da hat man, ohne dass man  es will, eine kleine, große Welt verändert“, sagt er.

Er hat einiges angeschoben: Da wäre „Opinn Skjold“, eine Gruppe von 100 Hobby-Wikingern zwischen 0 und 100 Jahren, die seit 1978 das alte Handwerk wieder aufleben lassen. Keine Haudrauf-Leute, die einen auf Wikinger machen und dabei nur eine Mischung aus Ork und Elf ohne die spitzen Ohren sind. Nein, sie sind Handwerker, keine Kämpfer. „Leute totschlagen“, das überlässt er dem Fernsehen. „Ich bin ein gut bewaffneter Pazifist“, betont er, ergänzt aber: „Mich in meiner Wohnung anzugreifen, ist völlig zwecklos.“ Bei einem Blick auf die Wand hinter ihm braucht man nicht weiter zu fragen. Dort hängen drei Schwerter. Selbst geschmiedet.

1986 wurden die Wikingertage gegründet, „das war das Podium meiner Gruppe, zu zeigen, was wir können“, so Paulsen. Die Premiere war ein Erfolg und „ein Riesenspaß“. Das sah die Geschäftswelt genauso und, so Paulsen, „dann wird man ganz schnell rausgedrängt“. Mitte der 90er Jahre zog sich „Opinn Skjold“ deshalb von den Wikingertagen zurück. Harm Paulsen nimmt kein Blatt vor den Mund, was ihm den Ruf eingebracht hat, ein Nörgler zu sein. Er kann damit leben. „Ich habe nun mal eine sehr direkte Art. Ich kann gut beißen“. Maike Krabbenhöft