Die Wochenschau

HeringswetteVorbereitung auf die „Fischzählung“

"Königspaar tritt wieder in den Ring

10. Mai: 

Wenn am Himmelfahrtstag (14. Mai) die 37. Kappelner Heringstage eröffnet werden, dann ist dies für das amtierende Heringskönigspaar Ramona Strüven und Ulrich Brüggemeier der Tag der Verabschiedung. Ihnen wird an diesem Tag bei der Eröffnungsfeier in der Koslowski-Halle vom Vorsitzenden des Kappelner Verschönerungsvereins, Dieter Clausen, die Heringskönigskette abgenommen, die sie bei der Heringswette 2014 gewonnen hatten. Sie hatten zu Beginn der 36. Kappelner Heringstage am genauesten die Pfunde der Heringe getippt, die Wolfgang Brandhoff und Peter Becker am Morgen des Himmelfahrtstages am Ende des Heringszaunes aus der Schlei gezogen hatten. Das waren damals 82 Pfund. Kreispräsident Ulrich Brüggemeier, Ramona Strüven und die Bundestagsabgeordnete Dr. Sabine Sütterlin-Waack hatten bei der Heringswette 80 Pfund  geschätzt. Dichter an der Wahrheit lag niemand der 70 teilnehmenden Promi-Wettenden. Damit wurde Ulrich Brüggemeier neuer Heringskönig. Bei den Damen entschied das Losglück zugunsten von Ramona Struve. Beide erhielten von Dieter Clausen die Heringskönigskette als Zeichen ihrer neuen Würde umgehängt. Seitdem haben sie ein Jahr erfolgreich als Heringskönigs-Majestäten gewirkt.

Dieser Part endet für die beiden mit dem Beginn der 37. Kappelner Heringstage. Sollten sie allerdings ihren Titel verteidigen, geht das gesamte Prozedere wie gewohnt weiter. Diese Chance wollen Ramona Strüven und Ulrich Brüggemeier nutzen und nehmen wieder an der Promi-Wette teil. Und deshalb lautet die spannende Frage wieder: „Schaffen sie es, oder schaffen sie es nicht?“

Aber eine Titelverteidigung ist erfahrungsgemäß schwer. In all den Jahren gelang dies nur zwei Mal. Das „eiserne Gesetz der Serie“, das besonders bei Boxern gilt, lautet: „They never come back“. Es hat in Kappeln in der Regel dafür gesorgt, dass meistens neue Heringskönige proklamiert wurden.

Am Himmelfahrtstag wird sich zeigen, ob das „Gesetz“ noch weiter in alter Frische gilt. Dann treten rund 70 Promi-Wetter an, um Kappelner Heringskönig zu werden. Dafür zahlen sie auch gerne den Wetteinsatz von 75 Euro, der dann zum Erhalt des Heringszaunes verwendet wird.

Das Prozedere wird wieder gewohnter Weise ablaufen. Vor der Heringswette findet ein gemeinsamer Gottesdienst in der Nicolaikirche mit Propst Helgo Jacobs statt. Danach werden die Wetteilnehmer mit musikalischer Begleitung durch das Schützenbläserkorps von der Kirche zum Nordhafen geleitet und gehen dort an Bord der „Nis Randers“ oder der „MS Gotland“, die sie zum Heringszaun bringen. Dort schauen sie zu, wie Wolfgang Brandhoff und sein Helfer das Heringsnetz am Ende des Heringszaunes aus der Schlei ziehen. Beide „Fischer“ zeigen dann ihren Fang noch einmal den Wettteilnehmern. Die müssen dann noch an Bord schätzen, wieviel Pfund Heringe im Netz sind. Nur die Heringe sind gefragt. Nicht der Beifang.

Was sich alles so an Bord abspielt wird ein Sprecher des Verschönerungsvereins den vermutlich vielen Zuschauern auf der Brücke und an Land per Lautsprecher erklären.

Nach der Tipp-Abgabe geht es zurück an Land, von dort in die Koslowski-Halle, wo die Heringstage nicht nur offiziell eröffnet, sondern auch die Herings-Majestäten 2015 proklamiert werden. Hier können die Ehrengäste dann auch noch ihre Grußworte sprechen. Und den Altmajestäten steht auch noch das Recht einer Abschiedsrede zu.

Nach der Veranstaltung werden die neuen Heringskönige bei einem Umzug durch die Stadt begleitet. Der Umzug endet in der „Haifischbar“ im Nordhafen.

Während die Heringswette für geladene Wetter veranstaltet wird, kann an der parallel – in diesem Jahr zum zweiten Mal – laufenden „Bürgerwette 2015“, organisiert von Jan Becker, Vorsitzender des SV Kopperby und 1. Ältermann der Junge-Leute-Gilde Kappeln. Jeder teilnehmen. Während die „Prominenz“ bei der Heringswette einen Wetteinsatz von 75 Euro entrichten und das Gewicht der gefangenen Heringe in Pfund schätzen muss, geht es bei der Bürgerwette um die Anzahl der gefangenen Heringe. Und ein Los kostet nur 1 Euro. Die Lose werden in der Zeit von Donnerstag bis Sonnabend auf dem Veranstaltungsgelände verkauft. rz

Jetzt ein FilmstarDie Angelner Dampfeisenbahn

"Dampflok „Julchen“ setzt sich in Szene"

10. Mai

Neuwerk, ein einsamer Bahnübergang zwischen Faulück und Kappeln. Nur landwirtschaftliche Fahrzeuge und wenige PKWs nutzen diesen Bahnübergang. Sonst ist hier Ruhe.

Doch diesmal ist hier alles anders. Ein elfjähriger Junge in kurzen Hosen und Schulranzen auf dem Rücken, wartet am Bahnübergang auf den Zug, der sich schnaufend mit dichter Rauchwolke und dem Stampfen der Zylinder den Berg herauf kämpft. Der Junge schaut traurig am Zug entlang, da wird aus einem der Zugfenster ein Stück eines Krückstockes sichtbar und daran ist ein weißes Taschentuch gebunden. Die Mine des Jungen hellt sich auf und er rennt lange winkend neben dem Zug her, bis der hinter einer Kurve verschwindet.

„Danke“, beendet eine Stimme aus einem der Kopfhörer die Situation. „Gut gemacht Maurizio“, lobt der Aufnahmeleiter, den vom Laufen atemlosen Jungen. Inzwischen kommt der Zug langsam wieder zurück gerollt. Zugführer Dieter Jordt achtet penibel darauf, dass niemand die Gleise überquert.

Es ist die Kurzgeschichte „Eine Nacht im Hotel“, die Siegfried Lenz im Jahr 1949 geschrieben hat. Sie erzählt von einem Kind, das immer traurig ist, weil es jeden Morgen am Bahnübergang steht und niemand aus dem Zug zurück winkt. Bis der Vater in einem Hotel einen Invaliden trifft, der am nächsten Morgen mit dem Zug fährt und am Bahnübergang die Krücke mit einem Taschentuch daran gebunden, aus dem Zugfenster hält.

Der erst 24 Jährige Nachwuchs-Regisseur Konstantinos Sampanis hat sich von dieser Lenz-Kurznovelle so fesseln lassen, dass er beschloss, die Geschichte in Bilder zu setzen. Da der etwa zehn Minuten lange Kurzfilm nicht kommerziell eingesetzt werden soll, sondern vorwiegend auf Kurzfilmfestivals gezeigt wird, ist er für den jungen Regisseur und sein Team Gelegenheit, sich in der Fachwelt bekannt zu machen. Das Sampanis das Zeug zu einem Großen der Filmszene hat, unterstreicht kein geringerer, als Schauspieler Heinz Hoenig. Er spielt den Invaliden, der im Hotel den Vater des Jungen kennen lernt und am nächsten Tag die Krücke zum Gruß aus dem Zugfenster hält. Kennen gelernt haben sich die beiden beim Camgaroo-Award, einem Münchner Kurzfilmfestival, bei dem Heinz Hoenig in der Jury sitzt. Sie mochten sich auf Anhieb, der junge Nachwuchsfilmer und der langjährig, erfahrene Schauspieler Heinz Hoenig. Es ist hier nicht die Gage, die Hoenig zum mitmachen bewegt hat, sondern die Bereitschaft, einem sympathischen und talentierten Nachwuchs-Regisseur zu unterstützen und bekannt zu machen. „Er ist ein Draufgänger“, charakterisiert Hoenig Regisseur Konstantinos Sampanis. Neben Hoenig ist es Jung-Schauspieler Maurizio Magno, der schon in „Kokowääh 2“ unter Regisseur Til Schweiger mitgewirkt hat, der bei der entscheidenden Szene im Mittelpunkt steht.

Positiv überrascht war man bei der Produktionsfirma über das positive Umfeld in Kappeln. Auf den Aufruf, sich als Komparse zu melden, hatten sich über 30 Frauen und Männer beworben, obwohl keine Gage gezahlt wurde. Ein Star, der seine eindrucksvolle Arbeit macht heißt „Julchen“ und ist die Dampflok der Angelner Dampfeisenbahn, die in der Schlüsselszene dem Bild mit dem Jungen am Bahnübergang einen fulminanten Rahmen gibt. Klaus und Oliver Jordt sowie Holger Post und Dieter Jordt sorgten dafür, dass die Filmleute ein gutes und ungestörtes Arbeitsumfeld fanden. Regisseur Sampanis freute sich, ungestört von fahrplanmäßigen Zügen auf der Strecke in Ruhe filmen zu können. Museumsbahn-Geschäftsführer Iver-Andreas Schiller berichtet vor Ort von steigendem Interesse, mit der Museumsbahn und auf der Strecke Filmprojekte umzusetzen. „Wir werden uns hier in Zukunft noch professioneller aufstellen“, kündigte Schiller an, um die Bahn und die Region auch über Filmprojekte bekannt zu machen. Ein Unterstützer saß bereits im Reisezugwagen. Heinz Hoenig bekannte, ein Dampflokfan zu sein. Sein Großvater war Dampflokführer und hat sogar eine 01 gefahren.ami