Die Wochenschau

NEZ: Meeresbiologe Dr. Markus Lens referierte über Plastik im Meer

"Der Ozean verkommt zur Müllhalde"

27. Juli: 

Maasholm. Zum Thema „Der Ozean als Müllhalde“ referierte  Dr.  Mark  Lenz vom Kieler Geomar-Helmholtz-Zentrum in der Reihe „Maasholmer naturwissenschaftliche Vorträge“  im „Naturerlebniszentrum Maasholm“ (NEZ). In seinem Vortrag beschäftigte sich der Meeresökologe mit Plastikmüll, der im Meer kaum abgebaut wird und sich daher seit  Jahrzehnten in den Ozeanen ansammelt.

Zunächst zeigte er Bilder von sauberen Stränden in Namibia, dann von den plastikverschmutzten Stränden in Jakarta. Europa liege statistisch dazwischen, erklärte der Referent.  Weltweit hat sich die Müllproduktion pro Jahr in den letzten 100 Jahren auf 1,3 Milliarden Tonnen verzehnfacht, 15 Prozent davon ist Plastikmüll. Der wird zwar  deponiert, verbrannt oder recycelt, aber ein Großteil bleibt im Umlauf (6,5 bis 28 Mio. Tonnen/Jahr). Davon wiederum gelangen  80 Prozent  durch Flüsse und Wind ins Meer  und werden durch Strömungen weltweit verbreitet. Durch die so genannten ozeanischen Strudel werden sie in den Ozeanen an vier bis fünf Stellen verstärkt gesammelt. Rund 70 Prozent des Plastiks im Meer sinken durch Bewuchs auf den Boden, je 15 Prozent landen an den Ufern oder schweben im Wasser.

Abbau kann 450 Jahre dauern

Durch physikalische Kräfte wie Wellenschlag oder UV-Licht, aber  auch Bakterien und chemische Reaktionen, wird der Plastik zerkleinert. Wobei die Abbauzeit zwischen sieben Monaten und 450 Jahren liegt. So entsteht Mikroplastik unter fünf Millimeter Größe. Der wird heute überall von Wissenschaftlern an Stränden gefunden. Viele der Mikroplastikteilchen stammen von Polymerkleidung beim Waschen oder von Peeling-Artikeln. Diese kleinen Teilchen werden von am und im Meer lebenden Tieren wie Muscheln, Kleinkrebsen, Fischen, Krabben und Vögeln aufgenommen. Das kann zur Blockade der Kiemen oder des Verdauungstraktes, zu Pseudosättigung oder Vergiftungen führen. Es kann aber auch ins Gewebe eingelagert und so Teil der Nahrungskette werden, an deren Ende Menschen stehen. Wie schädlich das ist, wollten  Wissenschaftler mit dem Projekt „Game“ (Globaler Ansatz durch modulare Experimente) herausfinden.  Sie haben in diesem vernetzten Projekt Meerestiere auf ihre Sauerstoffmangeltoleranz hin untersucht. Die Tiere wurden dabei in sauberem und in mit Plastik verschmutztem Wasser gezielt mit Sauerstoff unterversorgt. Erstaunlich war, dass die Todesrate signifikant gleich war. Das wiederum bedeutet, dass  das im Wasser vorhandene Plastikmaterial keine Auswirkungen auf die Lebewesen hat. Aber dieses Problem wird weiter untersucht.

Müllmanagement Verbessern

Dr. Lenz konnte aber  auch  Positives über Plastik im Meer berichten. Dort bietet er vielen Lebewesen neuen Lebewesen neuen Lebensraum.  Dennoch empfahl er, weniger Müll zu produzieren, das könne durch ein besseres Müllmanagement geschehen. Da ist Deutschland schon sehr weit. Vor allem aber, und das erstaunte doch einige der Besucher, sollten bio-abbaubare Plastikprodukte zurückgefahren werden. Auch das Abfischen großer Plastikmengen sollte unterbleiben. (rz)

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