Die Wochenschau

Handballweltmeisterschaft: Die WochenSchau berichtet aus Katar

Die WochenSchau bei der WM

25. Januar: 

Seit einer guten Woche läuft die Handballweltmeisterschaft in Katar. Die deutsche Mannschaft präsentiert sich überraschend stark und kämpft um den Gruppensieg. Ein freier Mitarbeiter der WochenSchau ist  derzeit live vor Ort. Er schildert in Wort und Bild die Form des deutschen Teams und seine Eindrücke vom  Turnier und dem Leben in Katar.


Die Handballweltmeisterschaft läuft: WochenSchau-Redakteur ist live vor Ort

Eindrücke aus dem Wüstenstaat

25. Januar

Es ist eine denkwürdige Weltmeisterschaft in Katar. Die Handballer loben die modernen Sportstätten, die kurzen Fahrten zwischen den Spielorten und den nicht nötigen Hotel-Umzug während des Turniers. Zugleich befeuert der morgendliche Blick aus dem Fenster auf den Persischen Golf und die funkelnde Sonne das Gemüt, und am Nachmittag kann im T-Shirt auf der Terrasse gesessen werden. Gastgeber Katar hat sich merklich ins Zeug gelegt, um als guter Gastgeber aufzutrumpfen. Die drei Spielstätten sind frisch errichtet, fassen bis zu 15.000 Zuschauer und beherbergen auch Trainingshallen und Athletikräume. Die Handball-WM dient als Testlauf für noch größere Sportereignisse. Die Fußball-WM 2022 ist bereits fest im Fokus, die Olympischen Spiele sind der Traum des Emirs.


Katar ist – im Pro-Kopf-Schnitt – das reichste Land der Welt. Es ist in den letzten Jahren buchstäblich aus der Wüste gewachsen. Dank enormer Erdöl-Vorräte. 1950 lebten in diesem Emirat, das etwas kleiner ist als Schleswig-Holstein, gerade einmal 50.000 Menschen. Heute sind es 2,1 Millionen. Tendenz steigend. Viele Menschen sind eingewandert. Die Busfahrer beispielsweise, die während der WM-Tage viel Arbeit haben, stammen oft aus Bangladesch, Nepal oder Pakistan. Eine Skyline mit großen Hotels und Bürogebäuden prägt das Hafen-Territorium der Hauptstadt Doha. Der Flughafen ist funkelnagelneu. Ständig brummt der Baulärm – auch nachts. Doha wirkt wie aus „1001 Nacht“, aus dem Wüstenboden gewachsen. Kritiker sprechen auch von einer „Scheinwelt“.

Dagegen liefert die deutsche Mannschaft bislang reale Ergebnisse ab, die Respekt in der Fachwelt auslösen. Der Gruppensieg – vor den stärker eingeschätzten Dänen und Polen – ist nach dem Sieg über Argentinien zum Greifen nah. Die DHB-Auswahl mutiert vom glücklichen Wild-Card-Inhaber zum Mitfavoriten. „Unser Selbstvertrauen hatten wir schon nach der guten Vorbereitung, nach dem guten Start ist es weiter gewachsen“, sagt Michael Strobel. Der Spielmacher gehört zu den großen Stützen der deutschen Farben. Eine feste Bank sind auch Linkshänder Steffen Weinhold, der im Sommer von der SG Flensburg-Handewitt zum THW Kiel gewechselt ist, der Kreisläufer-Koloss Patrick Wiencek, die Flügelflitzer Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki sowie Torwart Carsten Lichtlein, der bislang den Berliner Silvio Heinevetter ausgestochen hat. Die Unterkunft in der weltweit operierenden Hotelkette „Hilton“ ist nobel, fünf Sterne, erinnert angesichts obligatorischer Sicherheitskontrollen aber auch an eine Festung. Überhaupt scheint über dem kleinen Land eine große Angst vor Terroranschlägen zu liegen. An den Eingängen zu den Arenen werden sämtliche Taschen und Foto-Apparate durchleuchtet und die Besucher abgetastet – wie auf einem Flughafen. Wenn dann 3000 Tunesier ihre Mannschaft anfeuern und im Jubel auch mal die Security-Kräfte herzen, scheint das der Veranstalter eher mit Unbehagen zu betrachten. Die Beobachter indes sehen die nordafrikanische Begeisterung eher mit Wohlwollen einer Gruppenphase, die zumeist vor recht leeren Rängen stattfindet. Aber mit der zweiten Woche sollte der Zuspruch wachsen, zumal auch musikalische Welt-Stars wie Gwen Stefani angekündigt werden. ki