Die Wochenschau

Geteilter Schmerz: Haustierbesitzer leiden mit ihren Lieblingen

"Ein Tag beim Tierarzt"

19. Mai: 

Pixi hat Magenprobleme. Sie sitzt im Wartezimmer der Tierärztin Hanneke Groen in Süderlügum auf dem Schoß ihrer Besitzerin. Eingewickelt in ein Kopfkissen schaut sie mit ihren großen, leicht getrübten Augen unglücklich aus. Pixi ist an diesem Morgen nicht der einzige Patient aus Dänemark in der Tierarztpraxis. Es warten weitere Tiere auf den Arzt.

Ein Tag beim Tierarzt

"Hundebesitzer leiden mit"

19. Mai

Pixi ist ein Chinesischer Nackthund. Nur der kleine Kopf trägt ein dichtes Haarkleid. Es ist winterlich und das große Federkissen wärmt den kleinen Patienten. Pixi ist an diesem Morgen nicht der einzige Patient aus Dänemark in der Tierarztpraxis im Süderlügumer Gewerbegebiet. „Ein großer Teil unserer Stammkunden kommt aus Dänemark“, berichten Hanneke Groen und ihr Team. Das Team wird von zwei weiteren Tierärztinnen vervollständigt: Von Dr. Gaby Kahler und der ehemaligen Praxisinhaberin Dr. Maria Romansky-Rieken sowie von Britta Anthonisen, Julia Hammermann und Melanie Hass als tiermedizinische Fachangestellte, die jeden Tag alle Hände voll zu tun haben.

Neben „Pixi“ aus Ribe wartet Border Collie „Tika“ aus Apenrade darauf, kastriert zu werden. Die erste Beruhigungsspritze hat sie schon erhalten. Aber Tika ist nervös – es ist nicht ihr erster Tierarztbesuch und die Spritze wirkt nur langsam. Erst als sie auch auf Frauchens Schoß darf wird sie ruhiger und scheint einzuschlafen. Doch kaum soll ein kleiner Schäferhundwelpe an ihr vorbei ins Behandlungszimmer geführt werden, ist sie wieder „bellwach“. 

Während Tierärztin Gaby Kahler den Schäferhundwelpen gründlich untersucht und die notwendigen Impfungen verabreicht, operiert Tierärztin Hanneke Groen eine Hauskatze. Durch einen winzigen Schnitt in der Bauchdecke sollen die Eierstöcke entfernt werden, um zu vermeiden, dass diese Katze noch Junge bekommen kann. „Wir arbeiten eng mit dem Verein Tierschutz Niebüll e.V. zusammen“, berichtet die Tierärztin, die bereits zahlreiche auch wild lebende Katzen kastriert hat. 

Ein langer ArbeitstagAcht bis zehn Stunden dauert ein normaler Sprechtag in der Tierarztpraxis. Hinzu kommen für Besitzerin Hanneke Groen noch Zeiten für Organisation und Bestellungen, aber auch telefonische Beratungen und das Besprechen von Befunden. Auch die Euthanasie, das „Einschläfern“ ist dabei ein Thema. Denn worauf soll sich ein Haustierbesitzer verlassen, wenn er sich mit der Frage quält, ob es an der Zeit sei, seinen vierbeinigen Freund einschläfern zu lassen? Da kann er nur auf den verantwortungsbewussten Rat einer Tierärztin oder eines Tierarztes hören, wenn es darum geht, ein geliebtes Tier von seinen Leiden zu erlösen. 

Der Traumberuf vieler Mädchen
Trotz so schwieriger Themen ist der Beruf der Tierärztin immer noch „der“ Lebenstraum vieler Mädchen. „Ich könnte mir keinen Bürojob vorstellen“, betont dann auch Hanneke Groen. „In diesem Beruf wird einem so viel zurückgegeben – vom Patienten Tier und natürlich vor allen Dingen von den Menschen.“ 

Wie viele gute Tierarztpraxen unterhalten auch Hanneke Groen und ihr Team einen 24 Stunden-Notdienst. „Diesen Notdienst sind wir einfach unseren Kunden schuldig“, so Hanneke Groen weiter. „Aber es ist sehr anstrengend, diesen Notdienst allein aufrecht zu erhalten.“ Es gibt in Südtondern keinen geregelten tierärztlichen Notdienst, so dass hier die Eigeninitiative der Tierärzte gefragt ist. „Eine Zusammenarbeit im Notdienst würde allen helfen.“

Dann ist der große „Rufus“ an der Reihe. Im Wartezimmer saß der Berner Sennen-Schäferhundmix noch aufrecht und strotzte vor Selbstbewusstsein. Damit ist es dann im Behandlungszimmer vorbei. Den auf die tiefste Stellung heruntergefahrenen Behandlungstisch ignoriert er und muss wie ein Häuflein Unglück hinauf gehoben werden. Doch nach ein paar Leckerlies und überstandener Impfung fühlte er sich wieder pudelwohl. (jut)