Die Wochenschau

Archäologische Sensation:Unbekannter Schloss-Turm

"Fundament und Mauerreste entdeckt"

13. April: 

Die Baugeschichte von Schloss Gottorf muss umgeschrieben werden. Bei Erdarbeiten zur Erneuerung von Versorgungsleitungen haben Archäologen des Landesmuseums und des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie (ZBSA) unter der Leitung von Dr. Joachim Schultze  Fundament und Mauerreste eines bislang unbekannten Schloss-Turmes entdeckt. Dieses einstmals mächtige Bauwerk ist nach ersten Einschätzungen der Landesdenkmalpflege in die gleiche Bauzeit zu datieren wie der vorhandene markante Nordwest-Turm von Gottorf. Das Besondere an dieser Entdeckung: Kein Zeichner, kein Forscher und niemand unter den Kennern der Baugeschichte hat diesen Turm (Durchmesser ca. 12,5 Meter) bislang gekannt. Seit Mitte des 16. Jahrhunderts gibt es bildnerische Darstellungen von Gottorf, doch nie ist darauf ein Südwest-Turm zu sehen. Die älteste Sicht auf Schloss Gottorf stammt aus der Feder von Georg Braun und Franz Hogenberg aus dem Jahr 1584.

Wichtiger Ort der nordeuropäischen Geschichte 

Schloss Gottorf, heute Sitz der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, ist ein wichtiger Ort der nordeuropäischen Geschichte. Wegen seiner besonderen Vergangenheit und verfassungsrechtlichen Stellung stellte das Herzogtum Schleswig-Holstein-Gottorf über Jahrhunderte ein zentrales Verbindungsglied zwischen dem Heiligen Römischen Reich und dem Königreich Dänemark dar. Auf Grund seiner geographischen Lage und politischen Funktion spiegelt Schloss Gottorf diese Brückenfunktion zwischen Mitteleuropa und Skandinavien in seiner Baugeschichte wider. Sie gibt seit dem späten Mittelalter Zeugnis von einer mehr als 800 jährigen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Von der Wasserburg zum Residenzschloss 

Gottorf ist seit 1161 urkundlich belegt, seit 1168 ist die Wasserburg im Besitz der Schleswiger Herzöge. In der Folge, vor allem unter Waldemar, beginnt der Ausbau zu einer befestigten Burg mit einem Ringwall, der partiell bis heute erhalten ist. Der Umbau der mittelalterlichen Burg Gottorf zum Residenzschloss der Renaissance geht wesentlich auf Friedrich I. zurück, Herzog von Schleswig, der 1523 zugleich dänischer König wird. Auch nach seiner Krönung residierte er häufig auf Gottorf. Er ließ um 1500 die „Gotische Halle“ errichten, die beim Umbau des Südflügels um 1700 erhalten blieb. Sie zählt zu ältesten erhaltenen Sälen des Schlosses und beherbergte im 17. Jahrhundert die berühmte Bibliothek der Gottorfer Herzöge, die auf mehr als 10.000 Bände angewachsen war und im Norden zu den größten ihrer Zeit zählte. Sie befindet sich heute in Kopenhagen. (ws)

Schleswiger Investoren-Trio: Knapp fünf Millionen Euro für einen Neubau

"Bauruine wird Ärztehaus"

13. April

Der Putz bröckelt, die Fenster sind verbarrikadiert, die trostlosen Mauern mit unschönen Graffiti beschmiert – wenn man auf die graue Bauruine an der Ecke  Moltkestraße/Stadtweg zu geht, würde man am liebsten umkehren. Dabei wäre eine schöne Gestaltung des diesseitigen Zugangs zur Ladenstraße sehr wichtig – sozusagen als Einladung für Passanten, die Einkaufsmeile zu besuchen. Höchste Zeit also, dass hier etwas passiert...

Das haben sich auch die Schleswiger Hautärzte Dr. Martin Behne und Dr. Jens-Michael Jensen sowie Apotheker Hermann Wighardt gedacht, die auf diesem Grundstück für knapp fünf Millionen Euro ein fünfstöckiges Ärztehaus bauen möchten.

„Als wir 2011 unsere Praxis im Stadtweg 26 bezogen, merkten wir schnell, dass wir uns gegenseitig auf den Füßen stehen und etwas Neues finden müssen“, erklärt Dr. Jens-Michael Jensen und freut sich, eine Lösung  gefunden zu haben: „Bei unserer Suche ist uns das Haus im Stadtweg 70 früh ins Auge gefallen, doch die Finanzierung war erst gesichert, als Hermann Wighardt letztes Jahr die gleiche Idee wie wir hatte.“ Der Inhaber der Doc-Morris-Apotheker im Stadtweg 58 benötigt eine Alternative, weil sein Mietvertrag demnächst ausläuft. Hermann Wighardt erzählt, wie es weiterging, nachdem sich das Trio gefunden hatte: „Der Bürgermeister lud uns ein, unser Projekt vorzustellen.“. Dr. Arthur Christiansen liegt das zukünftige Entree zur Ladenstraße ganz besonders am Herzen, und gemeinsam mit Stadtmanagerin Monika Siegel freut er sich über „den Lichtstrahl“ in der von Problemen geprägten Innenstadt: „Der Mut der Investoren ist ein Signal, dass sich in Schleswig etwas tut.“

Die Planung sieht vor, dass innerhalb der nächsten drei Monate die Ruine abgerissen wird. Frühestens Ende 2015 wird der fünfstöckige Neubau stehen, bei dem das oberste Stockwerk als Staffelgeschoss zurückversetzt liegt. Hermann Wighardts Apotheke soll ins Erdgeschoss einziehen, darüber sei pro Etage eine Praxis vorgesehen – „Genügend Anfragen von Interessenten haben wir schon“, zeigt sich das Trio optimistisch.

Umgesetzt wird das Vorhaben von dem Jübeker Architekten Peter Rimkus, der zur Abstimmung mit den Besitzern vom benachbarten Hertie-Grundstück „notfalls nach London fahren und Kaffee trinken wird, um eine Unter-schrift zu kriegen“. (kra)