Die Wochenschau

Vor 60 Jahren:Deichschluss am Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog am 21.10.1954

"Ein sehr ambitioniertes Projekt"

19. Oktober: 

Bundespräsident Heinrich Lübke kam zum großen Tag; sein Bruder Friedrich Wilhelm Lübke, der Namensgeber des Kooges, wollte kommen. Doch er erlebte den Deichschluss nicht mehr. Sturmfluten hatten den Deichschluss verhindert. Sein Nachfolger wurde bereits am 11. Oktober 1954 Kai-Uwe von Hassel. Nur fünf Tage später ist Lübke verstorben.

Am 21. Oktober 1954 war es soweit: Nordfriesland wurde um 1.300 Hektar größer; der Friedrich-Wilhelm-Koog wurde eingedeicht.  Der  8,7 km lange Deich war das bis dato ambitionierteste Projekt: Zum ersten Mal wurde ein Deich in eigentlich unvorbereitetes Wattenmeer hineingebaut.

Als Ministerpräsident hatte Lübke den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes befördert. Da sich infolge des Zweiten Weltkrieges zahlreiche Flüchtlinge und Vertriebene in Schleswig-Holstein ansiedelten, sollte im Rahmen des „Programms Nord“ neues Siedlungsland geschaffen werden. Das Programm Nord wurde von Friedrich Wilhelm Lübke vorangetrieben.

Die letzten schweren Holzschotten fielen gegen 18 Uhr zwischen Kilometer 4,3 und 4,8 herunter – der Deichschluss war erfolgreich gelungen.  „Es war ein besonderes Erlebnis“, erinnert sich Zeitzeuge Uwe Sönnichsen, der damals einer der wenigen Pressevertreter anwesend sein durfte. Er schoss damals die legendären Fotos. Der neue Ministerpräsident Kai-Uwe von Hassel erschien; wie auch Heinrich Lübke. Ein feierlicher Moment, ein großes Ereignis.

Ein harter Kampf mit den Elementen

„Es war ein harter Kampf mit den Elementen“, erinnert sich „Mr. Sturmflut“ an die Entstehungsgeschichte der Eindeichung.

Früher lag hier die Horsbüller Heide; es gab das Dorf Rentoft, an das noch der Krug erinnert. Alles entschwand 1362 bei der ersten Mandränke. Nun sollte also das Land zurück gewonnen werden.

Schuld an der Eindeichung hat eigentlich der Sylter Heimatdichter und Chronist C. P. Hansen. Der hatte nämlich die Idee, einen Damm nach Sylt bauen zu lassen. Doch erst 1927 wurde der Damm vollendet; er wurde nun nach dem amtierenden Reichspräsidenten Hindenburg benannt. Durch den Damm erfolgte eine langsame Verscklickung des Vorlandes. Die Deichlinie beginnt dementsprechend am Damm, bei Bahnkilometer 18,87,  und verläuft dann in südöstliche Richtung. Am Ortsteil Hunwertsum trifft er auf den alten Seedeich des Wiedingharder Koogs.

Der Bau sollte schon 1940 vollendet werden, der Krieg beendete die Pläne. Vierzehn Jahre später war es soweit. Doch wurde erst im März 1954 damit begonnen; als Folge eines langen Winters. Nach den damaligen Methoden wurden nur Vorlandflächen eingedeicht, die über dem Mitteltidenhochwasser lagen. Doch in diesem Fall wurde auch die unter Mitteltidehochwasser liegende Wattflächen mit eingeplant. Eine entsprechende Schlickmenge von einem halben Meter Höhe gaben den Ausschlag. Eine landwirtschaftliche Nutzung konnte so gewährleistet werden.

1,6 Millionen Kubikmeter Sand

Der Seedeich wurde aus Kleierde gebaut. Südlich des Hindenburgdammes wurde ein Sanddeich lediglich mit einer Kleidecke versehen. Der Sand war durch drei Cutterbagger angespült worden. 1,6 Millionen Kubikmeter Sand! 400.000 Kubikmeter Kleiboden und 30 Hektar Grassoden sind weitere besondere Zahlen die erreicht werden mussten; um die Deichkrone auf drei Meter über den letzten Hochwasserstand anwachsen zu lassen.

Heute ist zehn Meter über Normalnull Pflicht. Die geplante Deichschließung war für den 21. August vorgesehen, doch schwere Sommerfluten im Juni 1954 machten fast alles zunichte. Damit nicht genug; der nächste geplante Deichschluss wurde durch eine weitere schwere Sturmflut unmöglich gemacht.

Ein Bild der Vernichtung

Ein Bild der Vernichtung: der Deich war auf 230 Meter durchbrochen worden. Man war kurz davor, das Projekt aufzugeben. Doch der Baurat der Landesregierung, Heinrich Snuis, wollte nicht aufgeben. Er, seine Ingenieure und 1.200 Arbeiter setzten das Werk fort.

Eine weitere schwere Sturmflut im Dezember wurde überstanden; der Deich 1955 komplett vollendet. 1957 entstanden 41 Bauernhöfe; 260 Menschen siedelten sich nach und nach an. Damit endete diese schwierige Episode der Landgewinnung glücklich. (pre)

Charlottenhof: Clara Kiehnlein ist die neue FKJ-lerin

"Keine Zeit für Heimweh"

19. Oktober

Klanxbüll Schon über einen Monat ist Clara Kiehnlein als neue FKJ-lerin auf dem Charlottenhof tätig. Die 19-Jährige ist mittlerweile die 12. in der Reihe der ausnahmslos weiblichen  „Freiwilligen“, die  für ein Jahr im Charlottenhof arbeiten wollen. „Ich habe mich schon ein bisschen eingelebt hier in Klanxbüll, aber es gibt  immer noch etwas Neues zu erleben. Es ist sehr schön hier – ich bin froh, dass ich hier gelandet bin“, freut sich die 19-Jährige über ihr neues Zuhause für ein Jahr. Für Heimweh hatte sie noch gar keine Zeit.

Clara Kiehnlein kommt aus dem tiefen Süden, aus Fürth, ist eigentlich mehr Hügel und Berge gewohnt. Aber sie hat auch schon Erfahrungen an der Nordsee sammeln können und kennt sich auf Hallig Hooge möglicherweise besser aus als die meisten Nordfriesen. „Ich war schon mal auf einer Klassenfahrt auf der Hallig. Dort haben wir zwei Wochen lang die Hallig vermessen“, erinnert sich die FKJ-lerin.

Auf dem Charlottenhof hat sie schon einige Veranstaltungen mitmachen können: Improvisationstheater, ein Konzert mit der Band „Inbetween“ und den Erntedank-Markt. „Mein Aufgabengebiet hier ist sehr breit gefächert. Die Arbeit im Büro bei der Vorbereitung von Veranstaltungen, auf Hochzeiten Sekt ausschenken und abends bei den Veranstaltungen helfen – hier wird es nie langweilig“, sagt Clara Kiehnlein. Vor allem der Erntedank-Markt hat sie schon gefordert, denn da war sie auch für die Kinderbetreuung zuständig. „Es hat mich gefreut, dass es so gut funktioniert hat. Die Stimmung war toll!“

Und so soll es auch in den nächsten Monaten bleiben, denn auf dem Charlottenhof finden noch einige sehr interessante Veranstaltungen statt. Der  KulturKaffee am 26. Oktober, bei  der  der aus Husum stammende Filmemacher Martin Tiefensee   seinen Film „Damals am Ruttebüller See“ zeigt, ist bereits restlos ausgebucht. Der Film wird deshalb im Frühjahr noch einmal auf dem Charlottenhof gezeigt werden.   Am 1. November treten  die drei jungen Bands „Roast Apple“, „Heiss und Eis“ und „Stedred“ auf, und am 18. November um 19.00 Uhr gibt es ein zusätzliches Konzert mit der bayerischen Band „Mundwerk-Crew“.

Und danach beginnt  auch auf dem Charlottenhof die Weihnachtszeit. Der große Weihnachstmarkt am 29. und 30. November ist dann für Clara Kiehlein eine ganz besondere Herausforderung. Sie bereitet den Markt mit der Unterstützung ihrer Chefin Bärbel Nissen-Schütt fast in Eigenregie vor und wird dort auch bei der Kinderbetreuung als Engel auftreten. (pu)